1. Natur (Heinrich Hart) >>> Liedtext | Quellen

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2. Das Wappenschild (Fliegendes Blatt aus »Des Knaben Wunderhorn«) >>> Liedtext | Quellen

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3. Sehnsucht (aus »Des Knaben Wunderhorn«) >>> Liedtext | Quellen

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4. »Nie ward ich, Herrin, müd...« (Petrarca) >>> Liedtext | Quellen

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5. »Voll jener Süße...« (Petrarca) >>> Liedtext | Quellen

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6. »Wenn Vöglein klagen...« (Petrarca) >>> Liedtext | Quellen

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AUFFÜHRUNGSDAUER: ca. 25 Minuten

FASSUNGEN:
Frühfassung op. 8 Nr. 2 (1904);
revidierte Fassung op. 8 Nr. 2 (?);
für den Druck revidierte Fassung (1908);
unvollständige Fassung op. 8 Nr. 1 für Singstimme und Klavier (1903);
Fassung für Singstimme und Orchester (1903-1905)

VERLAG:
Universal Edition
Belmont Music Publishers (USA, Kanada, Mexico)

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Im Spätsommer 1903 kehrte Arnold Schönberg nach einem kompositorisch ertragreichen, beruflich jedoch weitgehend erfolglosen, eineinhalbjährigen Aufenthalt mit Frau und Tochter aus Berlin nach Wien zurück. Der Vertrag als Kapellmeister des literarischen »Überbrettl«-Kabaretts an Ernst von Wolzogens Berliner »Buntem Theater«, das trotz anfänglicher Popularität bei der feinen Berliner Gesellschaft ein wirtschaftlicher Misserfolg wurde, lief bereits nach einer Saison aus. Die auf Intervention von Richard Strauss zustande gekommene Unterrichtstätigkeit am Stern’schen Konservatorium war auf nur ein Semester beschränkt. Durch Vermittlung seines Schwagers Alexander Zemlinsky (bis 1906 künstlerischer Leiter des Carltheaters) nahm die Auftragslage für Schönberg in Wien eine positive Wendung, wenngleich hinter der praktischen Beschäftigung – Instrumentationen, Arrangements für Klavier zu zwei oder vier Händen (darunter die vierhändigen Klavierauszüge aus Rossinis Oper »Der Barbier von Sevilla«, Lortzings »Waffenschmied« sowie Schuberts »Rosamunde« für die Universal Edition) – die kompositorische Tätigkeit weitgehend in den Hintergrund trat.
Nach den in Berlin begonnenen und in Wien abgeschlossenen Klavierliedern op. 3 sowie einem unvollendeten Chorlied mit Orchester (»Darthulas Grabgesang«) wandte sich Schönberg im Herbst 1903 einem – sieht man von dem in Particellform erhaltenen Fragment »Gethsemane« für eine Männerstimme und Orchester aus dem Jahr 1899 ab – für ihn neuen Genre zu: dem Orchesterlied. Wie bereits in op. 3 griff er zunächst wieder auf die »Wunderhorn«-Texte zurück und begann Ende November 1903 mit der Erstniederschrift von »Das Wappenschild« (op. 8 Nr. 2, abgeschlossen im April 1904). Es folgten die Lieder »Natur« nach einem Text von Heinrich Hart (op. 8 Nr. 1, komponiert zwischen 18. Dezember 1903 und 7. März 1904, diese Komposition liegt in einer unvollständigen Fassung für Gesang und Klavier vor) und die Petrarca-Vertonung »Nie ward ich, Herrin, müd« (op. 8 Nr. 4, eine Erstniederschrift datiert mit Juni 1904). Die Sommermonate 1904 verbrachte Schönberg bei den Eltern seines Jugendfreundes David Josef Bach in Mödling, Brühlerstraße 104. Dort arbeitete er im Auftrag des Verlags Josef Weinberger zusammen mit Alexander Zemlinsky an Instrumentierung und Klavierauszug der Oper »Bergkönig« von Robert Fischhof, die im Jahr darauf unter dem Titel »Ingeborg« erschien, sowie auch an eigenen Kompositionen, dem Ersten Streichquartett d-Moll op. 7 und den Orchesterliedern op. 8.
Am 3. Juli schloss Schönberg die Partiturreinschrift von »Nie ward ich, Herrin, müd« ab. Bei der in einem Brief an den Obmann der »Vereinigung schaffender Tonkünstler«, Oskar Posa, vom 14. Juli angesprochenen Komposition dürfte es sich – der Quellenchronologie zu schließen – um »Voll jener Süße« op. 8 Nr. 5 nach einem Text von Petrarca handeln: »Ich habe ein neues Lied für Orchester (das 4te) angefangen. Ich glaube, das wird sehr gut werden! Ich habe mir diesmal die Aufgabe gestellt, mit allen Stimmführungskünsten auch die Instrumentationskünste zu vereinigen. Ich hoffe, daß es gelingt. Mein Quartett ruht. Vielleicht komme ich aber doch noch dazu. Leider muß ich Fischof klaviermäßig verschlucken, und orchestermäßig herausbrechen, wiedergeben! Ich habe kürzlich gesagt, wenn mir einmal Gedenktafeln an Landorten gesetzt werden müßten: ‚hier componierte er...‘, so könnte es leider immer nur heißen: ‚hier instrumentierte er [...]«.
Im Wintersemester 1904/05 unterrichtete Schönberg an den »Schwarzwald’schen Schulanstalten« in der Wallnerstraße am Kohlmarkt. An das ehemalige Mädchen-Lyzeum wurde 1904 eine Koedukationsschule sowie ein Fortbildungskurs zur Förderung künstlerischer Begabungen angeschlossen. Die Reformpädagogin Eugenie Schwarzwald hatte Schönberg durch Adolf Loos kennengelernt und engagierte ihn für Kurse in Harmonielehre und Kontrapunkt. Neben seiner Lehrtätigkeit arbeitete Schönberg an einem Streichquintett in D-Dur (als Fragment überliefert), vollendete im November 1904 das in Mödling begonnene Orchesterlied op. 8 Nr. 5 und komponierte an »Wenn Vöglein klagen« op. 8 Nr. 6 sowie »Sehnsucht« op. 8 Nr. 3 (abgeschlossen am 6. April 1905). Erst zehn Jahre nach der Entstehung des ersten Orchesterliedes und beinahe zeitgleich zur Komposition des ersten Liedes aus op. 22 (der einzigen weiteren Komposition dieser Gattung in Schönbergs Schaffen) – kam die Drucklegung der »genauestens revidierten« Partituren von op. 8 im Oktober 1913 zustande.
Bereits im März 1911 waren als erste Ausgaben – ebenfalls bei der Universal Edition – Anton Weberns Klavierauszüge von op. 8 erschienen. Anlässlich einer geplanten Uraufführung von drei Liedern aus op. 8 unter Alexander Zemlinskys Leitung in Prag schrieb Schönberg am 14. Juli 1913 seinem Schwager: »Wenn ich Wünsche äußern soll, so läge mir mehr an den 4 Tenorliedern, als an den 2 übrigen (Natur u Sehnsucht). Das wirkungsvollste ist wohl ‚Wappenschild‘. Aber ich glaube die Petrarca-Lieder sind die besten.« In einem Brief vom 13. August unterstrich er abermals die Programmierung des Konzertes: »[...] ich halte für die besten und wirksamsten: I. Wenn Vöglein klagen. II. Voll jener Süße III. Wappenschild. ‚Natur‘ und ‚Nie ward ich, Herrin‘ sprechen schon textlich weniger an und sind mir auch musikalisch weniger lieb.« Zemlinsky kam seinem Wunsch nach und dirigierte bei der Uraufführung am 29. Januar 1914 das »Wappenschild« op. 8 Nr. 2 sowie die Petrarca-Lieder »Voll jener Süße« op. 8 Nr. 5 und »Wenn Vöglein klagen« op. 8 Nr. 6, den Gesangspart übernahm der Heldentenor Hans Winkelmann (Sohn des ersten Bayreuther »Parsifal« Hermann Winkelmann). Arnold Schönberg, der dem Ereignis beiwohnte und Zemlinsky zuvor darin erinnert hatte, daß Winkelmann »p und vor allem legato singen [..] und den Text nicht allzu scharf sprechen« solle, schrieb ihm wenige Tage danach aus Leipzig: »Du weißt, daß ich mir in der Interpretation manches abweichend von deiner Auffassung gedacht hatte. Aber die Interpretation ist das Zeitliche, das Veränderliche am musikalischen Kunstwerk. Sie ist eine der Methoden, den Sinn darzulegen, den Geist zur Auferstehung zu erwecken.«

Therese Muxeneder
© Universal Edition Wien

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