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VERLAG: Schott

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Nachdem Arnold Schönberg im Sommer 1921 im salzburgischen Mattsee von der Gemeindeverwaltung aufgrund seiner jüdischen Herkunft aufgefordert wurde, den Ort zu verlassen, führte dieses rassistische Ressentiment zu einer Neubewertung seiner eigenen nationalen Identität. Diese Reflexionen fanden ihren Niederschlag in zahlreichen Briefen und Schriften – am eindringlichsten sicherlich in den Kompositionen Schönbergs. 1933 musste Schönberg persönliche Konsequenzen ziehen: Max von Schillings, Präsident der Preußischen Akademie, erklärte in Anwesenheit Schönbergs während einer Sitzung Anfang März, dass der jüdische Einfluss in der Akademie gebrochen werden müsse. Der offiziellen Entlassung zuvorkommend verfasste dieser am 20. März einen Demissionsantrag. Im April wurde das »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums«, welches sich insbesondere gegen Juden wandte, im Reichstag verabschiedet. Nachdem er im Essay »Einsteins falsche Politik« die existentielle Gefährdung des deutschen Judentums durch den Nationalsozialismus darlegte, zog Schönberg die Konsequenzen und verließ zusammen mit seiner Familie am 17. Mai Deutschland. Am 23. Mai erhielt Schönberg von der Akademie schließlich seine »Beurlaubung«, die im September in eine Kündigung umgewandelt wurde. Die Reise in die Emigration führte ihn zunächst nach Paris, wo er sich nicht nur mit einer Serie politischer Schriften über das Judentum und mit der Gründung einer jüdischen Einheitspartei beschäftigte, sondern auch zum Judentum rekonvertierte: »Ich bin seit langem entschlossen Jude zu sein [...] Nunmehr bin ich vor einer Woche auch offiziell wieder in die jüdische Religionsgemeinschaft zurückgekehrt, obwohl mich davon nicht die Religion trennt [...] wohl aber meine Auffassung über die Notwendigkeit der Anpassung der Kirche an die Forderungen moderner Lebensführung.« (Brief an Anton Webern, 4. August 1933) Die Rekonversion fand am 24. Juli in der Union Libérale Israélite im Beisein von Marc Chagall statt. Am 25. Oktober verließ Schönberg mit seiner Familie Frankreich und erreichte am 31. Oktober New York. Nach einer Reihe weiterer Schriften zu »Jewish Affairs« konzipierte Schönberg 1938 das »Four-Point Program for Jewry«, in dem er Wege zur Formierung jüdischer Kräfte beschreibt, welche dem bedrohten Judentum in Europa Befreiung und Rettung ermöglichen könnten. Mit dieser Schrift hatte Schönberg sein politisch-jüdisches Engagement – abgesehen von einigen kleineren Statements – im Wesentlichen abgeschlossen. Dies bedeutete jedoch keineswegs eine Abkehr von der Suche nach seiner Nationalität, sie fokussierte sich nun vor allem auf eine ganz persönliche Ebene. Die Beschäftigung mit dem Gottesdanken, den Schönberg als zentrales Moment für die nationaljüdische Bindung erkannt hatte (besonders deutlich erkennbar in »Moses und Aron«, »Der biblische Weg«) gipfelte in der Arbeit an den »Modernen Psalmen«.

»Dreimal tausend Jahre« op. 50A basiert auf einem Text aus den »Jordan Liedern« von Dagobert Runes, das zweite Werk der Trias op. 50 ist eine Vertonung des hebräischen 130. Psalms »De Profundis«. Opus 50C ist nach einem Text von Schönberg selbst komponiert, dem ersten von sechzehn kurzen Psalmen, die er in den letzten zehn Monaten vor seinem Tod verfasste. Zwischen 29. September und 3. Juli 1951 entwarf Schönberg die Texte »Moderne Psalmen«, die seine tief religiösen Gedanken in Form vielgestaltiger persönlicher Ansprachen an Gott in Paraphrasen des alttestamentlichen Psalters formulieren. Jeder einzelne Text ist entweder als »Psalm« oder »Moderner Psalm« betitelt, das Konvolut selbst als »Moderne Psalmen« – vermutlich gedacht als Kompositionsvorlage einer Reihe von Vokalkompositionen. Bis zu seinem Tod (13. Juli 1951) vertonte Schönberg lediglich den ersten Text, nunmehr als »Moderner Psalm« op. 50C überliefert. In einem Brief an Oskar Adler vom 23. April 1951 bezog er sich auf »Psalmen, Gebete und andere Gespräche mit und über Gott«. Die Textvorlage zu op. 50C beinhaltet in Konkordanz zu dieser Angabe sowohl die direkte Ansprache an Gott als auch den Diskurs über Gott. Schönbergs Vertonung umfasst 68 Takte, die musikalische Textur alterniert zwischen Sprecher (Sprechstimme) und einem sechsstimmigen Chor mit Orchesterbegleitung.

© Arnold Schönberg Center

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