Gavotte und Musette

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Aufnahme: OgreOgress Productions 

>>> Quellen

AUFFÜHRUNGSDAUER: ca. 2:30 Min.

ERSTDRUCK: Arnold Schönberg, Sämtliche Werke, Abteilung IV, Reihe A, Bd. 9,1, hrsg. v. Ulrich Scheideler, Mainz-Wien 2006.


Die kompositorische Auseinandersetzung mit historischen Stilen war in der Musik des 19. Jahrhunderts verbreitet. Die Renaissance der Werke Johann Sebastian Bachs brachte ein gesteigertes Interesse an überlieferten Formen und deren Weiterentwicklung mit sich. Schönbergs barockisierende Streichersätze „Gavotte und Musette (im alten Style)“ von 1897 mögen hiervon inspiriert sein, vielleicht auch im Rahmen der Kontrapunktstudien, die er mit seinem Freund Alexander Zemlinsky betrieb. Die Gavotte folgt in Tempo, Taktart und dem charakteristischen halbtaktigen Auftakt dem tradierten Muster des barocken Tanzes. Die Melodie mit Quart- und Quintsprüngen ist in ihrem Gestus einfach angelegt. Im Mittelteil kommen kontrapunktische Verfahren im Sinne einer „geistigen Übung“ (Schönberg) zum Einsatz, die in eine vierfache Engführung in den Takten 16/17ff. münden. Schönbergs Blick ist jedoch nicht nur nach rückwärts gewandt. In der erwähnten Engführung schafft er sich ein Experimentierfeld, welches in barocken Gavotte-Stücken so nicht vorgefunden werden kann. Formal betrachtet lässt sich bei der Anlehnung des Schlusssatzes an den 1. Abschnitt eine dreiteilige ABA′-Struktur konstatieren.
Bei der Musette gerät die kontrapunktische Technik in den Hintergrund. Schönberg setzt sich hier erstmals mit Gestaltungsweisen auseinander, die später wesentlich weiterentwickelt unter den Begriff der „Klangfarbenkomposition“ zusammengefasst werden (ähnliches realisiert er auch in dem im selben Jahr entstandenen Streichquartett D-Dur). Die Musette ist harmonisch statisch angelegt, in Art eines Bordunsatzes. Schönberg geht es bei dieser Kompositionsstudie um die Nuancierung des Klanges im geteilten Streichersatz. Die ersten 16 Takte verharren lediglich auf einem E-Dur-Akkord, wobei durch Pizzicato-, Dämpfer- und Arco-Spielweisen ein differenziertes Klangbild entsteht. Nach einer kurzzeitigen Unterbrechung dieser statischen Phase endet die Musette wiederum mit repetierten E-Dur-Akkorden, in die melodische Linien verwoben sind. In der viel später entstandenen, zwölftönigen Suite für Klavier op. 25 und der tonalen Suite im alten Stil (1934) sollte Schönberg unter gewandelten Vorzeichen erneut auf Formen der Barockzeit zurückgreifen.

Andreas Zurbriggen
©  Arnold Schönberg Center

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